Brut benötigt Nektar, wie viel jedoch pro verdeckelter Wabe?

Josef Fleischhacker

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Im höchst interessanten Thread Waagstockdaten

http://www.bienenforum.com/forum/showthread.php/6162-Waagestockdaten-2012/page13

wunderte ich mich etwas über mein aktuelles Waagvolk, dieses verbrütet nicht nur gänzlich den eingetragenen Nektar, sondern verzeichnet täglich zumeist sogar noch etwas Abnahme.


Kuttel merkt nun im obigen Thread an, auch beim Brüten gäbe es eine Gewichtszunahme, was sich ebenfalls bei der Waage bemerkbar machen müsste. An sich ist dies klar und auch logisch, keine Frage, dennoch möchte ich auch mit Euch darüber reden, vor allem würde ich gerne wissen welche Menge Nektar eine verdeckelte Brutwabe benötigt?

Hier kann nun spekuliert, aber auch wissenschaftlich argumentiert werden, interessant dürfte diese Frage allemal werden.

Josef
 

Chrigel

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Larvennahrung und Verzehr

Guten Abend Josef

Bevor du ins Grübeln kommst, überlege dir, ob man deine Waage sabotiert hat, damit dein Waagvolk nicht obenaus schwingt. Es gilt doch so oder so den grossen Meister zu schlagen......
Zur Problemstellung:
Die Larvennahrung der Arbeitsbiene enthält je nach Larvenalter unterschiedliche Mengen an Kohlehydraten. In den ersten zwei Tagen liegt sie unter 20 % und ab dem 3. bis 7. Tag bei rund 40 %. Wenn man das Larvengewicht bei der Verdeckelung von 150 mg heranzieht, musste die Larve mit rund der 1 1/2 fachen Menge an Nahrung, also ca 225mg, versorgt werden. Für die geschätzte offene Brutmenge eines Volkes von 10 000 Zellen im Tag (10000*225mg:7), sind also rund 320 g bereitzustellen. Nimmt man davon den mittleren Gehalt an Kohlehydraten von 30 %, wird ersichtlich, dass die rund 100 g Zucker aus dem Nektareintrag nicht der Grund für den Hänger deines Waagstockes sein können.

Also doch Manipulation deiner Waage oder schlicht - es kommt viel weniger herein als du dir wünschst.

mit freundlichem Gruss
Christian
 

Chrigel

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Die andern Futtersaftbestandteile

Guten Morgen

Der Löwenanteil im Futtersaft mit 50% und mehr vor allem in den ersten Larventagen besteht aus Proteinen, ein geringer Teil aus Fetten.

Von der Gewichtszunahme aus der Blütentracht stammen angenommene 10 % aus dem Polleneintrag. Frisch geschlüpfte Bienen fressen in den ersten Tagen zwei bis drei mg Pollen pro Tag. Davon löst sich genauso wie bei der Larvenentwicklung ein grösserer Gewichtsanteil durch die Stoffwechselvorgänge "in Luft" auf.
Die verdeckelte Brut behält und die Jungbienen vergrössern aber ihr Eigengewicht, sodass diese Gewichtsanteile des Futters nicht auf die negative Seite gestellt werden können.
Im Vergleich mit andern Waagvölkern ist zudem zu berücksichtigen,dass auch diese Völker Brut einschlagen, die gefüttert werden muss. So wird sich in den stark divergierenden Waagresultaten wohl ausschliesslich die Trachtsituation spiegeln, sofern von gleich leistungsfähigen Waagvölkern ausgegangen werden kann.
mfG Christian
 

Josef Fleischhacker

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Christian´s äußerst lehrreiche Berichte bringen nun etwas Klarheit in das ganze Waagstock-Mysterium, dazu mein herzlichstes Dankeschön.

Die Frage, wie viele offene Zellen dieses Volk versorgen muss, aber auch wie viele verdeckelte Brutwaben vorhanden sind, all dies werde ich bei Gelegenheit exakt eruieren. Erstaulich ist jedoch, einräumige Völker welche mit Ende Feber vielleicht im besten Falle noch vier Kilo Futtervorrat besitzen und folglich etwa zwei Kilo Futterteig bekommen, schaffen bis zum ersten Erweiterungsschritt auch ohne nennenswerte Trachten zu locker sieben und noch mehr Brutwaben. Betrachtet man diese Zusammenhänge, so wird ersichtlich wie sehr effizient Bienen ihr Futter verwerten.

An Sabotage möchte ich natürlich keineswegs denken, hat ja doch niemand etwas davon. Laut gestrigen Augenzeugenberichten fliegt das Volk sehr gut, trägt auch fleißig Pollen ein und nach außen hin dürfte alles in bester Ordnung sein. Als Tracht gibt es dort vorwiegend Löwenzahn und Obst, also eher etwas Läppertracht. Spannend wird´s ab etwa Mitte bis Ende nächster Woche, da wird dieses Volk für die Robinie im Wiener Raum vorbereitet.

Eines ist jedoch sicher, diese elektronische Capac Waage liefert weit bessere Erkenntnisse als meine Holtermann Balkenwaage. Besonders spannend wird´s bei bei der kommenden ZWA Bildung und somit weitgehender Brutverhinderung, aber auch der folgenden Erstellung eines Jungvolkes mit heuriger Königin. Hier wird es also noch sehr viel zum berichten geben.

Josef
 
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