Erzfeind Imker, Neonics und Zuckerüben

Sturmimker

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Grüß euch,
Wegen der aktuellen Diskussion, dem Rüsselkäfer und den verursachten Schäden für die Zuckerrübenbaueren möchte ich hier dieses Thema besprechen.
Ich habe es nicht glauben können, dass ich als Imker, vom Blumenbauern (vernietlichte, minderbewertete Form eines nicht vollwertigen Landwirtes) zum Feindbild Nr. 1 gemacht wurde. Stammtischtechnisch sind wir Imker einzig und alleine für die Ausfälle und Schäden dieses Insektes verantwortlich. So zumindest die Meinung vieler Rübenbaueren. Mann muss sich das jetzt auf der Zunge zergehen lassen, die behaupten tatsächlich, wir wären Schuld an diesem Schlamassel. Wir Imker hätten konsequent am Verbot der Neonics gefeilt, und was haben wir jetzt davon? Keinen Zucker als Futter für unsere Bienen - selber schuld! (es departen Beilhoida/ihr dummen Bienenhalter)
Quelle: Streitigkeiten im Dorfwirtshaus, am Feldweg, im Lagerhaus und sonst noch überall wo Bauern anzutreffen sind.

Da habe ich ziemlich blöd aus der Wäsche geschaut. Ernsthafte Argumente waren auf Grund der hitzigen Debatten unmöglich anzubringen. Mir blieb nur der Rückzug.
Wie geht es euch mit dieser Geschichte? Betrifft es überhaupt jemanden von euch?
lg Michael
 

Josef Fleischhacker

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Bei uns gibt es keine einheimische Bauern mehr, deren Felder wurden samt und sonderlich an Großbetriebe verpachtet, mit diesen gibt es keinerlei Gesprächsbasis, im besten Falle sagt einem der Traktorfahrer was soeben gespritzt wird.

Bei uns nahm die Landwirtschaft eine interessante Wendung, einst waren deren Besitzer lokale Fürsten, mittlerweile haben alle das Handtuch geworfen, dies geht sogar soweit, dass nicht einmahl mehr Holz eingebracht wird.

Josef
 

Arjen

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Mal sehen ob es heuer BIO Zucker aus ÖSterreichischen Rüben gibt - oder dieser aus Brasilien importiert wird ;)
 

Nils

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Immer wenn um irgendwas ein Hype gemacht wird, frage ich mich wann es zurück schlägt...

Die Bienen werden seit einigen Jahren hoch gefeiert. Alle Welt will sie retten.
Irgendwann schlägt das Pendel um und das genaue Gegenteil wird wieder der Fall sein, wirst sehen...
 

Kugelblitz

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Michael, da fällt mir leider nur eins ein: Strohköpfe.

Das Wirtshaus ist leider nicht geeignete Ort, um mit denen sachlich und NÜCHTERN zu diskutieren ...

Ich kenne einen Rübenbauern an der Ortsgrenze von Wien. Der will die Rüben aufgeben, weil Erlös nach Freigabe des Zuckerpreises gegen null geht.

LG Erwin
 

st-bastler

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Michael, da fällt mir leider nur eins ein: Strohköpfe.

Der will die Rüben aufgeben, weil Erlös nach Freigabe des Zuckerpreises gegen null geht.

LG Erwin

So sieht es aus!
Auf Grund der ständigen Überproduktion -> den dadurch fallenden Preisen -> muss der Gewinn, aus der Maximierung des Ertrages pro Feld kommen ! ? da ist jedes Insekt und fremd Grün Konkurrenz und muss weg.

Die wenigen Kleinbauern bei mir suchen sich Nischen und bauen Lupinen Buchweizen Soja Hirse [FONT=arial, sans-serif]Riesenschilf Weihnachtsbäume an in der Hoffnung der Preisspirale zu entkommen.

gruß Stefan
[/FONT]
 

Sturmimker

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Kurze Zwischenmeldung:
Wie Stefan richtig erkannt hat, hat die konventionelle Zückerrübenwirtschaft keine Zukunft. Die Gründe sind aber hauptsächlich im Missmanagement vergangener Jahre zu finden. Den Biobaueren geht es zwar besser mit dem Preis aber heuer schaut es auch schlecht aus. Bei einem derartig massenhaften Auftreten ist entgegen der Meinungen auch die Biorübe betroffen. Diese Viecher haben tatsächlich alles weggefressen und machten keinen Unterschied zwischen Bio oder Konvi. Repräsentativ darf ich einen Biorübenbauerern (der redet noch mit mir) zitieren.: 50% hat er nochmal ausgesät, mehr geht sich kalkulativ nicht aus. Somit wird auch am Markt nur die Hälfte verfügbar sein.
Die Zuckerfabrik in der Nachbarortschaft (Leopoldsdorf) stellt sich bereits auf die kürzerste Verarbeitungskampagne in ihrer Geschichte ein. Jetzt hab ich nicht nur die Baueren am Hals, sondern auch noch die Zuckerfabriksarbeiter, die um ihre Existenz fürchten... Kaum jemand kapiert dass es sich ganz einfach um eine Resistenz gegen diesen Wirkstoff handelt, denn die Saat war ja noch mit Neonics gebeitzt.
lg Michael
 

Sturmimker

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Ich schreibe hier einfach weiter...
Die Lage beruhigt sich nicht. Spasseshalber sage ich schon, dieses Neonicsverbot wurde von uns Imkern bestens geplant, und umgesetzt. Esst mehr Honig denn mit dem Zucker wird es knapp werden!
Jedoch habe ich heute einen recht intelligenten Zeitgenossen kennen gelernt. Ein konventioneller Rübenbauer der die ganze Preispolitik rund um den Zucker viel viel viel besser versteht als ich. Er ist der Meinung wir (Agrana und Co) hätten es einfach verschlafen den inländischen Zucker besser zu vermarkten. In unserm Fall reicht die Marke "Wiener Zucker" nicht mehr aus um eine klare Abgrenzung zum "Weltzucker" hinsichtlich Qualität, Erzeugungsrichtlinien und Regionalität dem Konsumenten klar zu machen. Am Beispiel des österreichischen Frischfleischmarktes sind eindeutige Wünsche der Kunden zu erkennen. Fakt ist, im Einzelhandel wird Fleisch in Österreich bis auf wenige Ausnahmen nur als österreichisches Fleisch gekauft ( AMA- Gütesiegel). Der Kunde will kein ausländisches Fleisch! Beim Zucker schaut die Sache leider anders aus. Jetzt erlaube ich mir die Imkerschaft zu kritisieren die Billigstangebote für Bienenfutter, egal ob Happy Harvest Zucker vom Hofer oder Fertigsirup ohne Ursprungsbezeichnung kauft. Irgend wie wird das so nichts mehr, wenn wir so weitermachen wie gewohnt. Ob Biozucker aus Südamerika oder Konvizucker aus Rumänien es ist wurscht... Jedenfalls haben die Vertreter der Bauern (Rübenbauernbund, Landwirtschaftskammer, Schultes, Leidwein, Zörnpfenning und Co) ordentlich gepfuscht.

P.S. Wie lange es noch dauert, bis ich geklagt werde weiss ich nicht... Ich kann halt, manchmal meinen Mund nicht halten.

lg Michael
 

Josef Fleischhacker

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Nun Michael, die Zukunft schaut düsterer aus als wir wahrhaben wollen, hier eine Profil Textpassage

[FONT=&quot]Nun könnten Bauern nur noch Insektenvernichtungsmittel über die Felder spritzen, ein Mal großflächig plus drei Mal gegen den Rübenaaskäfer, die Grüne Erbsenblattlaus und die Schwarze Bohnenblattlaus. Selbst bei größtmöglicher Sorgfalt und bei optimaler Wetterlage würden Teile der Insektizide aufsteigen. Nicht nur, dass es für Bienen sofort tödlich wäre, wenn sie über ein frisch behandeltes Feld fliegen, verbreiten sich die Giftstoffe auch in der Luft. Es werden also in Zukunft vermutlich viel mehr schädliche Insektizide in die Umwelt und in Kontakt mit Nützlingen wie den Bienen gelangen.[/FONT]

aus diesem Link, bitte lesen

https://www.profil.at/wissenschaft/bienensterben-verbot-neonicotinoide-10079253

Josef
 

Josef Gruber

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Die Lage beruhigt sich nicht.


Hallo Michael!

Die selbe Weltuntergangstimmung gab's bei uns, wie diese
Mittel für die Maisbeize verboten wurden.
Mittlereweile ist ruhig geworden.

- man sieht den Käfer in und um den Maisfeldern
- zusammenbrechende Bestände sind selten und von Schäden wird kaum mehr gesprochen
- Getreide und Kürbis werden vermehrt angebaut, manchmal auch Soja und Sonnenblume
- geschwächte Völker zur Mais Saat gibt es nicht mehr

Probleme hatten meine wenigen Völker in dieser Region mit dem Kürbis sowie den blühenden Nachkulturen.
Völker im Kürbisfeld musste ich füttern, Jungvölker im Flugbereich von Pachelia Senf und Co haben sich
schlechter entwickelt als die Völker abseits der intensiven Landwirtschaft.

Schöne Grüße
Sepp
 

Beespace

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Ich hab gerade eine neuen Beitrag eher zufällig gefunden, hier schon brutal wenn es sich so sehr verteilt und nicht dort bleibt wo es gespritzt wurde.
Irgendwann vergiften wir uns noch über unser eigenes Essen und unsere Profitgier.
 

Josef Fleischhacker

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Irgendwann vergiften wir uns noch über unser eigenes Essen und unsere Profitgier.

Das Dilemma dabei, dies wissen natürlich auch die konvi Landwirte, leider haben die oft keine andere Möglichkeit als zu spritzen, spritzen und abermals spritzen, müssen die doch ihre Familien und natürlich auch den Betrieb erhalten.

Bis her war ich immer der Meinung wir Bienenzüchter werden von den Landwirten geschätzt, seit meiner Ausbildung in der Kremser Obstbauschule muss ich diese Meinung revidieren, wir werden eher als Störenfriede gesehen die den Landwirten in ihre Suppe spucken.

Josef
 

Beespace

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Naja ist dann doch wie üblich, solange einem der andere nützt ist er ok und wenn dies vorbei ist wird er runter gemacht. Das kann hier je nach Jahr auch mal wechseln.
Klar gibt es hier auch Ausnahmen keine Frage aber der Neid ist bei manchen schon sehr ausgeprägt, wie in anderen Berufsfeldern auch.
 
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