Tschernobyl, 26. April 1986

Josef Fleischhacker

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Gerne möchte ich über ein sonderbares Phänomen reden, gedanklich beschäftigt dies selbst nach 35 Jahren immer noch.

Bekanntlich explodierte am 26.04.1986 der Atomreaktor in Tschernobyl, als damals Wanderimker stand ich im Raps beim Gutshof Marenzi in Himberg, direkt neben mir IM Wolfram Peschetz, wissenschaftlich begleitet von FR. DI Burgstaller, es wurden (sollten) zahlreiche Testversuche in Sache Bestäubung getätigt werden. Peschetz war der damalige Stefan Mandl, Inhaber eines des größten heimischen Imkereibiebes, zudem führender Züchter in Sache Peschetz Biene. Peschtz wanderte damals im den Trio Magazinen, als drei Königinnen in einer Beute, seine Völker waren dementsprechend.

Der darauf folgende Tag war ein herrlich schöner Sonntag, mit Frau und Kind wurde ein Ausflug unternommen, dabei ging unsere Fahrt wie selbstverständlich auch nach Himberg zu unseren Bienen. Dort angekommen glaubte ich zu träumen, nahezu keine Bienen folgen ab und dies trotz allerbesten Bedingungen mit enorm blühendem Rapsfeldern. Ebenso auch bei Peschetz, leider waren weder er, noch Fr. Burgstaller vor Ort, somit reisen wir unverrichteter Dinge wiederum ab,

Infos von dieser Katastrophe gab es weder Samstag, noch Sonntag, erst Montag früh tauchten erste Meldungen auf, jedoch konnte sich nicht wirklich jemand vorstellen was dies für uns selber, unsere Tierwelt und auch unsere Nahrung bedeuten würde.

Reden wir nun darüber, bin über jede Wortmeldung dankbar.

Josef
 

Drohn55

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An dem Tag war meine Tochter genau einen Monat alt ... die damaligen DDR-Medien haben nichts darüber berichtet. Erst als der "Westen" das Ganze auf sämtlichen Sendern von Radio und Fernsehen rausposaunte, kamen ein paar "dürre" Worte über eine Havarie in Tschernobyl. Wir wußten eher Bescheid, zum Glück wohnen wir ja nicht im Tal der Ahnungslosen und erste Maßnahme der frischgebackenen Mama war seinerzeit: Das Kind bleibt in der Wohnung ! Nur unser Großer hat so gar nicht verstanden, warum er nicht raus durfte ...
Die Obst- und Gemüseläden waren plötzlich voll - naja, die damalige BRD hat ja nichts mehr abgenommen. Das ist mir noch in Erinnerung geblieben.
Heute ist die "Kleine" von damals ja bekanntlich selber Mama von unserem gemischten Doppel, d. h. Zwillingspärchen. Letzten Donnerstag sind dieselben 1 Jahr alt geworden und die Lieblinge von Großeltern und Onkel.
Nun bestimmen die "Maßnahmen" von Corona das tägliche Geschehen. Ob das jetzige Durcheinander nun besser oder schlechter als die seinerzeitige Nichtinformation ist, steht mal auf einem ganz anderen Blatt.

Wolfgang

P.S. Als Tal der Ahnungslosen wurde seinerzeit der Dresdner Raum qualifiziert. Deshalb heißt es ja

A: außer
R: Raum
D: Dresden
 

Josef Fleischhacker

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Ab dem dritten Tag hatten wir jede Menge Infos, auch Live Bilder von dem zerstörten Reaktor, sowie Infos wie das dortige Personal inkl. Militär gewissermaßen ins Verderben geschickt wurden. Unser damaliger Gesundheitsminister war Franz Kreutzer, war ein Mann der Öffentlichkeit ohne jedweden Populismus.

Auch konnten wir sehr rasch Jod Tabletten bekommen, auf Wunsch konnte man sich jederzeit die Schilddrüse begutachten lassen, also medizinisch echt nichts zu meckern. Empfohlen wurde in den nächsten Monaten und Jahren nur ja keine Pilze zu sammeln, Obst und Gemüse gründlich zu waschen, Honig konnte im Gegensatz zu Blütenpollen bedenkenlos konsumiert werden.

Josef
 

AndreasW

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Was du berichtest Josef vom Nicht-Flug der Bienen ist extrem spannend. Vermutlich ist es nun zu spät, darüber Daten zu sammeln, aber Bienen als Umwelt-Indikator-Tiere wäre mal ein Thema!

LG
Andreas
 
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