Was habt Ihr heute gemacht?

Hallo Daniel,

Vielen Dank für dein wertvolle Tipp. Ich würde extra 2 Beuten so lassen, abflammen und naturbelassen lassen.
Ich habe letzte Woche ein paar gebrauchte Beuten und Unterboden gekauft. Jetz wollte ich die für weitere Saisons vorbereiten...steckt mehrere Stunden Arbeit drinnen. Da ich nur kleine Gasflamme besitze dauert es noch länger als gewünscht. Nicht desto trotz es macht mir Spaß solche Tätigkeiten um die Bienen drumherum zu machen.

Grüße nach Allgäu :)
 
Holzoptik gefällt mir schon - und ist immer im Trend.
Die Farbe wird nur dazu da um die gebrauchte Beute besser zu schützen. Und solange die Beuten noch frei und nicht im Einsatz beim Bienenstand ist wollte ich diese Gelegenheit nutzen.
Hoffentlich das wird gut klappen, so das Bienen fühlen sich wohl da drinnen und können Jahrzehnte Lang noch ganz gut dienen.

Wie alt ist Ihre Beuten sind ? Wie alt ist die Älteste ?
Das wird mich tierisch Interessieren :)

Mfg ZAndrey
 
Hallo, Beutenmaler!

Chemieunterricht, erste Stunde: Öle dispergieren in Wasser!
Wenn Öl verwendet wird, wird der Regen das Öl, dispergiert im Regenwasser, fortschwemmen.
Ölfarben und Öllacke sind was Anderes, obwohl sie überwiegend aus Öl bestehen.
Öllack besteht aus gekochtem Öl, meist Leinöl, nennt sich Firnis.
Wenn der Firnis Siccative enthält, wird nach dem Verstreichen unter Sauerstoffeinfluss eine Art Harz daraus, das dann nicht mehr im Wasser dispergiert. Nur so taugt Leinöl!
So ist es aber zu dick. Verdünnungmittel muss noch hinein. Orangenterpene, oder Terpentinersatz, der auch Testbenzin genannt wird.
Natürliches Terpentin, das aus Terpenen (Kieferartigen) gewonnen wird, ist seit den 60 er Jahren verboten weil es bei Malern gehäuft zu schweren Berufkrankheiten gekommen ist.
Terpentin ist aber wieder da. Das aus Orangenschalen gewonnene. Ist aber auch schon wieder ins
Gerede gekommen wegen Hautproblemen.
Testbenzin, ein Erdölprodukt, scheint noch die am Wenigsten Ungesunde Verdünnung zu sein.

Streicht man solchen Öllack hat man nach einer Woche Trocknung einen wasserfesten, transparenten Lackfilm.
Wenn diesem Lack Farbpigmente beigefügt werden, z. B. Eisenrot, Okker, Sienaerde, oder weisses Titanoxid,
nennt man das Ganze Ölfarbe.
Handelt es sich bei den Farbpigmenten um sehr wenig davon und für noch bessere Optik um transparente Farbpigmente, so nennt man das Lasur.

Und das ist meine Empfehlung: Lasur in hellen Farbtönen. Hell, damit die Sonne die Kisten nicht zu sehr erwärmt. Dann wird es den Bienen nicht zu warm ,das Holz reisst weniger und die Leimfugen halten länger.
Nicht zu wenig von hellen Farbpigmenten verhindern das Vergrauen des Holzes.
Vergrauen wäre eigentlich nicht schlimm. Aber ein Anstrich kann so nicht halten, denn Vergrauen kommt vom UV Licht, das das lange Zelloluosemolekyl zerbricht. Im Fall von ungestrichenem Holz tragen Wind und Regen diese kaputten Moleküle ab. Dabei werden auch noch halbwegs erhaltene Fasern frei und lose. Die holen sich dann die Wespen zum Nestbau. Darum sind Wespennester grau.

Farblose Lasur kann es nicht geben, owohl es auf manchen Dosen steht - ist es farblos, ist es Lack.
Streicht man farblosen lack auf Holz, wird im Freien die Sonne das Holz unter dem Lack vergrauen und der
Lack fällt zusammen mit den zerstörten Holzmolekylen runter.

Noch etwas löst Anstriche: Feuchte von innen.
Die haben wir, wenn das Holz irgendwo Wasser aufsaugt. Etwa durch schlechte Deckel oder Erdkontakt.
Oder unvermeidbar, durch Feuchte, die die Bienen erzeugen.
Beides wandert, wenns warm ist, durchs Holz hindurch nach aussen, staut sich unter der Lackschicht und wirft diese ab.
Dagegen hilft nur ein dünner, poorenoffener (diffusionsoffener) Anstrich.

Weil sich aus dem Öl, Harz bildet, nennt man dies Farben heute Naturharzfarben, wenn natürliche Pflanzenöle wie Leinöl verwendet wurden, (z.B. Erdnussöl wird auch verwendet)
Und Kunstharzfarben, wenn Erdöl verwendet wird.
Bei Beiden kommen noch weitere Stoffe hinzu, um z. B. Dickflüssigkeit oder Elastizität zu verbessern.
Das sind z. B. In kleinen Mengen Tonmineralien (Bentonit) und Wachse wie Karnauba.

Für den Fall, dass die Anstriche nicht selbst hergestellt werden sollen und nicht zu viel kosten sollen und giftfrei sein sollen empfehle ich Folgendes:

Hellgefärbte Dickschichtlasur, die für letzten Überzug gedacht ist, kaufen. So eine, die keine Imprägniergifte enthält. Aus Naturharz oder Kunstharz. Verdünnbar mit Orangenterpentin, der auch verharmlosenderweise Balsam heissen kann. Oder verdünnbar mit Terpentinersatz. (Testbenzin)
Naturharze heissen auch Alkydharz. Sie sind normalerweise elastischer und etwas dauerhafter als Kunstharze, die vom Erdöl kommen.

Hab Besuch bekommen, mache später fertig

Alkydharz nicht verwechseln mit Acrylharz, das meist wasserverdünnbar ist.
Acryl leiber nicht verwenden. Es hält nicht lang und wandert dann in Form von Microplastik durch die Welt.
Typisch für Acrylfarben ist, dass sich der eigentlich gut erhaltener Farbfilm in Fetzen ablöst.
 
Interessante Ausführungen von rsr.

Kommen soeben von den Bienen, das Wetter war mit sonnigen sieben Grad recht angenehm, zahlreiche Bienen waren unterwegs und die Sonne und auch mich zu begrüßen.

Josef
 
Schönen Nachmittag, Beutenmaler!

Wollte noch zu einem Abschluss kommen beim Thema Anstrich.
Es fehlen noch ein paar Sätze zur Mischbarkeit.
Alle erwähnten Materialien, ausser der Wasserverdünnbaren Acrylfarben lassen sich mischen.
Z.B. Naturharzlasur kräftiger färben mit etwas Kunstharzfarbe funktioniert bestens.
Kunstharzdickschichtlasur verdünnen mit Orangenterpentin geht einwandfrei.
Um zusätzliche Farbpigmente in eine verdünnte Dickschichtlasur zu bekommen, nehme ich am Liebsten
Sogenannte Renovierungslasur. Die enthält viele gute Pigmente, um altes, dunkles Holz aufzuhellen und
Dessen Scheckigkeit etwas abzudecken.
Dickschichtlasur soll es sein, weil die in Giftfrei erhältlich ist.
Stark Verdünnen muss man die bei dieser Anwendung, damit sie gut eindringen und der fertige Anstrich poorenoffen bleibt.
Poorenoffen oder diffusionsoffen, auch deswegen, weil Feuchte, die die Bienen ständig abgeben, durchs Holz nach draussen wandern können muss, so bleibts innen trocken.
Hier wird übrigens auch grade das Thema Klimadeckel gestreift .

Unter Giftfrei verstehe ich frei von Insekten-und Pilzgiften, die normalen Lasuren beigefügt sind.
Soll nicht heissen, dass die dann, z.B. beim Einatmen nicht ungesund seien.
Nur frei von absichtlich beigemischten Imprägniergiften.

Gruss RSR

Ps. Die Grundlagen für dieses Wisen stammen von meiner Ausbbildung zum Schreiner.
Später musste ich mit der Biofarbenwelle, die über uns Schreiner hereingebrochen ist, fertig werden.
Sattelfest war kaum jemand, auch nicht die Hersteller dieser Biofarben. Einer von denen hat eine geliefert, die bei Anlieferung schon im Eimer geschimmelt hat.
Einer hat welche geliefert, die nach 2 Wochen immer noch nicht trocken war. In einem Beiblatt stand versteckt, dass man Siccative beimischen solle, wenn es Trocknungsschwierigkeiten geben sollte.
(die erhältlichen Siccative waren damals noch Schwermetallhaltig, drum wollte der Biofarbenhersteller nichts davon hineintun. Auch nicht die erforderlichen 2 %.)
In der Fachpresse machte bald ein Fall die Runde, der einen kleinen Fensterhersteller ruiniert hatte:
Ein gutverdienendes Ehepaar hatte grosszügig gebaut und von diesem Fensterhersteller verlangt, Biofarbe zu verwenden. Der Fensterhersteller wollte das nicht tun, weil die Norm von ihm eine zugelassenen Imprägnierung, also mit imprägniergiften, vorzunehmen und das dann wenn alle Bohrungen, Fälze und Beschlagsausnehmungen gemacht sind. Aber vor Glaseinbau und Beschlagmontage. Durch Tauchen.
Zu guter Letzt haben die Leute selber gestrichen, in der Werkstatt des Fensterbauers
Wenige Wochen nach Einbau der Fenster zeigte sich Schimmel, zuerst auf der Nordyeite des Hauses, später in allen Fälzen zwischen Flügel und Rahmen.
Die Leute haben den Fenstermann Verklagt. Er wurde verurteilt kostelos neue Fenter zu machen die verschimmelten, bereits eingeputzten, aus - und die Neuen einzubauene.
2 Begründungen:
Fehlberatung. Sich vom Kunden zu Falschem überreden lassen wurde so gewertet. Er hätte gegebenefalls
Den Auftrag ablehnen müssen.
Und nicht fachgerecht gearbeitet. Es gilt die Norm und nach der muss er tauchimprägnieren.
Das alles hat mich veranlasst, besser aufzupassen.

Gruss RSR
 
Streicht man farblosen lack auf Holz, wird im Freien die Sonne das Holz unter dem Lack vergrauen und der
Lack fällt zusammen mit den zerstörten Holzmolekylen runter.
Durch was sollten diese Holzmoleküle zerstört werden? Durch den Lack?
Später musste ich mit der Biofarbenwelle...
Soviel ich weiß, war bis in die 50er Jahre Leinölfarbe Standard für Holz (im Denkmalschutz noch heute vorgeschrieben). Macht aber viel Arbeit, mit Grundieren und zwei- bis dreimal Streichen. Was außerdem mit ordentlich Druck passieren sollte, jedenfalls stand es so in der Anleitung, ich habe damit mal Fenster gestrichen.
 
Hallo, AdrianL

Die Zelloluosemoleküle werden vom UV Licht herstört. Deckt man das Holz miit Farbpigmenten ab, passiert das nicht. Dann bleibt auch die Haftung der Farbe erhalten.
Klarlack blättert vorzeitig ab, wenn von der Sonne der Untergrund zerstört wird.

Die von Dir beschriebene Leinölfarbe werden natürlich aus Leinöl gemacht, aber aus gekochtem, also Firnis.
Es sind Siccative drin, damit nach dem Streichen die nachteiligen Eigenschaften des Öls, nämlich die Dispergierbarkeit in Wasser, verschwindet.

Der klassische Aufbau eines beanspruchbaren, dann auch fast diffusionsdichten Anstrichs wird erreicht,
Indem man mehrere Schichten streicht. Die erste Schicht stark verdünnt, damit das Material in die Poorn dringt, die 2. Schicht etwas weniger verdünnt, die drittte noch weniger usw.
Die Haftung wird am Besten, wenn man sehr dünn anfängt uhd mehrere Schichten aufträgt.
Wenn die Farbschicht bald abblättern soll, streicht man einmal dickes Material.

Für Draussen ist es üblich und immer noch empfehlenswert, zuerst eine Imprägniergrundierung sehr satt zu
streichen. Sie enthält Gift gegen Insekten und Pilze. Überall, wo das Holz "säuft" nochmal drauf und einziehen lassen. So kommt das Gift ins Holz hinein, wo es hingehört.
Mit giftfreier Farbe deckt man das dann ab.
Für Bienensachen will ich aber keine Imprägniergrundierung empfehlen, die Insektizide enthält, obwohl es so wie beschrieben, mit Abdecken, machbar ist.
Eine Grundierung, die nur Pilzgift enthält, kenne ich leider nicht.

Gruss RSR
 
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