Wissenswertes zur Biologie der Honigbiene (2)

Der Bienen-Much

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Wissenswertes zur Biologie der Honigbiene (2)

Mit den Fühlern orientiert sich die Biene im Stock, mit den Augen im Freien. Für den Imker ist es interessant zu wissen, dass das Bienenauge ein Facettenauge ist, (mit ca. 7000 Sehstäbchen) dazu eingerichtet das Licht zu registrieren. Selbst wenn die Sonne nicht scheint, ist die Biene in der Lage, sich an der Felderung des Lichts zu orientieren. Wenn der Imker bei der Arbeit am Volk von der Nacht überrascht wird, finden viele Bienen nicht mehr ins Volk zurück und klammern sich an und unter die weiße Bekleidung des Imkers. Auch die Farbe sieht das Bienenauge anders als das Menschenauge. Die Farbskala verschiebt sich etwas. Die Biene sieht ultraviolett, was wir nicht kennen, sieht aber statt rot nur schwarz. Viele Blumen strahlen ultraviolett aus, so dass rot für die Biene auch anders aussehen kann. Bei einer massierten Aufstellung von Bienenvölkern im Bienenhaus sollte der Imker den Bienen die Orientierung durch verschiedene Farben an den Beuten erleichtern. Außerdem ist das Bienenauge auf stark gegliederte Figuren,, die den Blüten gleichen, eingestellt. Auch dies sollte man bei der Bemalung von Bienenhausfronten berücksichtigen. Will man im Farben sehen und der räumlichen Orientierung nach der Felderung des Lichtes letzte Klarheit erfahren, muss man sich mit einem speziellen Fachbuch befassen. Die Arbeiten von Prof. Karl von Frisch sind besonders geeignet und man erfährt dabei auch gleich alles über die Bienensprache, die auf die Trachtmitteilung im Bienenvolk und die neue Behausung beim Schwarmakt ausgerichtet ist. Wer im Sommer noch die Zeit findet, könnte nach dem Rundtanz und Schwänzeltanz, der Sprache der Biene, die Trachtquellen ausfindig machen. Man muss sich auch wundern, dass die zarten Flügel den Bienenkörper über weite Strecken tragen können. Wie großer und kleiner Flügel beim Flug reißverschlussartig miteinander verhakt sind, und welche Kraft in den Flugmuskeln stecken muss.

Von besondere Bedeutung für die Biene sind die Beine. Der Imker, dem die Flugbeobachtung vertraut ist, wird schon oft beachtet haben, wie die Biene vor dem Abflug die Fühler putzt. Sie zieht ihre Antennen durch die Putzscharten der Vorderbeine. Vom Staub befreit, sind sie während des Fluges auf Empfang eingestellt. Von ganz spezieller Entwicklung sind die Hinterbeine. Am Flugloch sieht der Imker wie die Biene Blutenstaub einträgt. Er sagt: „Die Biene höselt". Der Blutenstaub ist das Eiweiß für die Biene und entscheidend über Gesundheit, Entwicklung und Ertrag. Doch welcher Imker hat die Zeit zuzusehen, wie die Biene ihre Höselkörbchen füllt. Der Wissenschaftler sagt: „Die Biene gehört zu den Beinsammlern". Sie trägt den Blutenstaub — den Pollen als verschiedenfarbige Klümpchen — den Höschen — an den Hinterbeinen in den Stock. Ein Bild das den Imker von Mal zu Mal fasziniert. Auf der Suche nach Nektar, aber auch beim Besuch von nektarlosen Blumen, kommt die Biene mit Blutenstaub in Berührung. Beim Höseln sitzt die Biene in der Blüte und bearbeitet die Staubgefäße. Dabei wird der ganze Bienenkörper mit Blutenstaub bepudert.

Verschlossene Staubbeutel werden aufgebissen und ausgeschüttelt. Der staubige Pollen lässt sich nicht formen, es muss ein Bindemittel beigemischt werden. Mit dem Rüssel befeuchtet sie den Pollen mit klebrigem Nektar. Wenn die Pflanze keinen, Nektar bietet nimmt sie vom Stock Honig mit, so dass die Vorräte noch schneller schwinden. Ist es da ein Wunder, dass die Bienen durch eine Reizfütterung im Herbst mehr und lieber höseln? Ist der im Haarkleid, Kopf und Beinen haftende Pollen klebrig durchfeuchtet, wird er aus dem Haarkleid gebürstet und die Höschen geformt. In der Blüte ist dies beschwerlich. So schwebt die Biene meist über der Blüte. Dabei können alle drei Beinpaare, Rüssel und Mundwerkzeuge zum Formen der Höschen eingesetzt werden. Die Vorderbeine bürsten den Pollen aus Kopf und Brust und geben ihn an die Hinterbeine weiter. Die Mittelbeine werden durch die Fersenbürsten der Hinterbeine gezogen. Durch entgegengesetzte parallele Bewegungen wird der Pollen mit dem Pollenkamm des einen Hinterbeines aus dem Bürstchen des anderen gekämmt. Die Pollenmasse am Pollenkamm wird durch den Pollen kneter am Gelenk nach außen in das Körbchen gepresst und mit den Mittelbeinen festgedrückt.

Je feuchter und klebriger der Pollen um so größer werden die Höschen. Auf den Ständen mit moorigen Boden kann man Trachtbienen mit einem Pollen-Stirnbüschel vom Knabenkraut, auf der Wabe wie Indianer im Kriegsschmuck tanzen sehen. Bei diesen Betrachtungen könnte man vergessen, dass wir uns im Monat November befinden. Auch das Zeitgedächtnis ist eine bemerkenswerte Eigenschaft der Biene. Sie weiß genau zu welcher Stunde bei der oder jener Pflanze etwas zu holen und wann die beste Nektarabsonderung ist, Hat eine Pflanze zwei Tagesbestzeiten, so ist die fleißige Sammlerin jedesmal pünktlich zur Stelle. Bei trachtloser Zeit vergeudet sie nicht ihre Kräfte durch unnützen Flug. Erst wenn die Kundschafter, die Spurbienen, tanzend Trachtmeldung machen, rollt der Großeinsatz. Sie weiß selbst im tiefsten Dunkel des Kellers, wenn die Sonne am höchsten steht und Flugzeit ist. Die gefüllten Einwabenkästchen in der Dunkelhaft sind der beste Beweis dieses Zeitgedächtnisses. Von 11 bis ca. 14 Uhr sind sie am unruhigsten und zwängen sich durch die kleinste Spalte, um auszufliegen.

Ein Großteil der Bevölkerung weiß gerade noch, dass Biene und Honig miteinander zu tun haben. Der Imker aber muss wissen, dass Honig nicht gleich Nektar oder Honigtau ist. Erst durch die körpereigenen Fermente der Biene wird daraus Honig. Bei eingeklapptem Rüssel an der Futterrinne gibt die Trachtbiene den mitgebrachten Rohstoff an Stockgenossinnen weiter, der von Biene zu Biene wandert und dabei mit Speichel gemischt wird. Der Speichel stammt aus den Drüsen des Kopfes. Die Jungbienen sondern von diesen Drüsen eiweißreiche, milchigen Futtersaft ab, mit dem sie als Ammen die Brut füttern. Bei der älteren Biene ist die Absonderung der Drüsen klar und wässerig und reich an Fermenten die vor allem den Rohrzucker in Trauben- und Fruchtzucker umwandelt. Noch andere Drüsen mit verschiedenen Funktionen wirken im Bienenkörper, dies soll nur eine Anregung zur Vertiefung in ruhiger Stunde sein. Aber eine Drüse muss noch erwähnt werden.

Die Kieferndrüse, die besonders bei der Königin stark ausgeprägt ist. Von ihr kommt die Königinsubstanz, das Pheromon, das an alle Stockgenossinnen verteilt wird und das Volk im Stock und beim Schwarmakt zusammenhält und den Drohn beim Begattungsflug anzieht. Je mehr Pheromon eine Königin erzeugt, desto beliebter ist sie beim Volk und umso besser wird sie gepflegt und mehr Brut erzeuge. Nur durch reichliche Königinsubstanz ist eine Großvolkbildung möglich. Gute Pheromonerzeuger können Bienen von nahestehenden Völkern mit weniger guten Wirkstofferzeugern abwerben. Laienbesucher auf dem Bienenstand stellen viele Fragen über die Biene. Für sie ist noch ein Wunder, was der Imker, der täglich damit umgeht, oft nicht mehr sieht. Auch bei Krankheiten und Seuchen sollte der Imker sich die betroffenen Organe vorstellen können und wissen, dass bei Nosema der Mitteldarm, das ist der Magen der Biene, betroffen ist. Wie die Nosema im Mitteldarm, so zerstört die Amöbe die Nierenschläuche. Wenn von der Milbe die Rede ist, sollte man sich die Atmungsorgane vorstellen können.

Bei der Ruhr ist die Kotblase überfordert. Bei der Maikrankheit Kotblase und Darm verstopft. Die Faulbrut wird zum größten Teil durch den geraubten Honig aus schwachen Faulbrutvölkern, in der Honigblase übertragen. Um die Blutinfektion (Septikämie) ist es still geworden. Aber dennoch sollte man über den Blutkreislauf und die Herzkammer der Biene eine Vorstellung haben. Das waren einige bescheidene Hinweise aus dem Wunderleben der Biene. Sie sollen Anregung geben, sich im Winter weiter damit zu befassen.


Herzliche Grüße

Dieter
 

Konrad

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Hallo Dieter,

danke für deinen Beitrag. Zuerst noch eine Bitte und dann ein paar Fragen:
Könntest du bitte die Beiträge etwas stärker gliedern (Leerzeilen, Themenüberschriften, oder so) dann du ich mir mit dem lesen leichter.


Was ist Schwarmarkt?


Ist es da ein Wunder, dass die Bienen durch eine Reizfütterung im Herbst mehr und lieber höseln?
Kannst mir das bitte erklären und mit was wird im Herbst Reiz gefüttert?

lg
Konrad
 

Astacus

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Hallo Konrad,

Was ist Schwarmarkt?

Hast dich ein bißchen verlesen:

Orginal:
Von ihr kommt die Königinsubstanz, das Pheromon, das an alle Stockgenossinnen verteilt wird und das Volk im Stock und beim Schwarmakt zusammenhält und den Drohn beim Begattungsflug anzieht.

Schwarm akt = Schwarmphase = Auszug des Bienenvolkes = Geburt eines neuen Volkes

Bienenmuch Datenfluß (Lexikon reif) ist zwar großartig, aber ich muß dir Recht geben mehr Unterteilungen dienten der Übersichtlichkeit. Er könnte da schon viel mehr Beiträge daraus machen.

Der Vollständigkeithalber seien die weiteren Drüsen der Königin erwähnt

1. Kieferdrüsen (Mandibeldrüsen) von Bienenmuch schon erwähnt
2. Fußdrüsen (Anhardtsche Drüsen) genauso wichtig, ergibt das Fußabdruck-Pheromon)
3. Tergittaschendrüsen (macht die Drohnen gambig)
4. Stachelkammerdrüse (Koschevnikowsche Drüse) die ist in der Schwarmphase mit der Königinnensubstanz zum Anlocken der Arbeiterinnen wichtig)

Gruß
Astacus
 

WalterRojky

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Biologie der Honigbiene

Hallo Imker
Die Ausführungen von Bienenmuch sind sehr interessant.
Sollte jemand mehr darüber Interesse haben, kann ich nur das Buch "Phänomen Honigbiene" empfehlen.
Sehr lehrreich, würde ich jeden Bienenfreund oder Imker zu einem Anlaß schenken.

herliche Grüße
Walter
 
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Hallo Walter,

das Buch habe ich auch - es ist nicht nur lehrreich sondern ist auch mit tollen Fotos bestückt ! Kann man echt jeden empfehlen !
 
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