Einige schwache Völker bei der Auswinterung, was tun damit?

Josef Fleischhacker

Administrator
Teammitglied
Registriert
18 Jan. 2007
Beiträge
41.566
Punkte Reaktionen
1.447
Alter
74
Ort
3710 Fahndorf 86
Imker seit
1976
Heimstand
JA
Wanderimker
Ja
Rähmchenmaß/Wabengröße
ÖBW
Schwarmverhinderung wie
ZWA -Zwischenableger
Eigene Kö Zucht ja/nein
Ja
Obwohl wir Imker im Herbst eigentlich nur sehr starke Völker einwintern, passiert es doch immer wieder und oft weiß man nicht warum, plötzlich gibt es im Frühjahr einige schwache Völker beim Bienenstand. An den Königinen liegt dies aber ganz sicher nicht, denn diese haben bereits bei der Ablegerbildung im Mai bzw. Juni ihre ganz besondere Qualitäten bewiesen.

Was also kann die Ursache für diesen Aderlass an Bienen sein: wenn ich z.B. zurückdenke, hatten wir im Herbst in unserer Region einen ungeheuerlich massiven Zuzug von Zugvögeln. Vor allem Schwalben schnappten sich tausende und abertausende Bienen aus den Grünbrachen, vorwiegend und praktischerweise von den sehr niedrigen Erbsenfeldern. Auch die stets hungrigen Kohlmeisen lassen sich im Winter kulinarisch besonders gerne von unseren Bienen verwöhnen. Spechte und Spitzmäuse, aber auch infolge Reinvasion zugewanderte Milben fordern ebenfalls sehr hohen Tribut.

Was macht man nun mit jenen Völkern die nur mehr drei, vier oder allenfalls fünf Wabengassen Bienen beherbergen und sehr oft nur noch einige Handteller große Brutflächen aufweisen? An sich würden diese Völker nahezu niemals die Trachtstärke erreichen und uns lediglich eine Menge Arbeit bescheren. Abkehren vor den Flugloch eines anderen Volkes oder sogar abschwefeln, kommt für uns Imker natürlich keineswegs infrage, denn schließlich sind wir ja in erster Linie Bienenbetreuer und lassen deshalb unseren Schützlingen jede nur denkbare Unterstützung zukommen.

Wenn ich nun im Zuger der ersten Frühjahrsrevision solche Völker entdecke, werden diese kurzerhand dem Nachbarvolk aufgesetzt. Dazu nehme ich eine Küchenrolle und lege einige Blätter davon auf die Rähmchenoberteile eines intakten Volkes, befeuchte das Papier etwas mit einem Zerstäuber und stoße in dieses mit einem spitzen Gegenstand kleine „Lückerl“ hinein. Nun nehme ich die Brutraumzarge des schwachen Volkes und setze diese kurzerhand über das Papier auf. Innerhalb kürzester Zeit und ohne irgendwelche Probleme, erfolgt somit eine ganz friedliche Vereinigung dieser beiden Völker.

Sehr oft entwickelt sich dieses Volk infolge dieser Zusammenlegung zu einem geradezu großartigen Trachtvolk. Der Grund dafür ist, dass die zweite Königin nicht immer und sofort beseitigt wird, sondern diese fleißig und unbelästigt abermals ihre Qualitäten im oberen Raum beweisen darf.

Der Lohn für diese kleine Mühe ist ab der Obstblüte ein großartiges Trachtvolk und ein mit Sicherheit zu erstellender Ableger.

LG Josef
 
Hallo Josef,

das Aufsetzen eines schwachen Volkes auf ein stärkeres funktioniert nach meinen Erfahrungen im Frühjahr sehr gut, der Zeitraum, in dem man das machen kann, ist jedoch knapp bemessen.

Ich benutze ein Absperrgitter zwischen den Völkern, da geraten die Königinnen nicht aneinander. Zudem werden die Brutnester der Völker in die Mitte gerückt, so daß das untere (starkes Volk) das des schwachen Volkes mit wärmt. Spätestens zu Trachtbeginn muß man die Völker wieder trennen, da sonst eine Königin auf der Strecke bleibt.

Viele Grüße

Maja
 
Schwache Völker im Frühjahr.

Schwache Völker auf Starke über Absperrgitter aufsetzen funktioniert sehr gut. Ich bevorzuge (wenns geht) die zweite Märzhälfte dafür. Meiner Beobachtung nach funktioniert es um so besser je größer der Stärkeunterschied zwischen "Wirt" und "Gast" ist. Der aufgesetzte Gast braucht praktisch aus nur einer (guten) Königin und einer Handvoll Bienen bestehen. Nach 4 - 5 Wochen wird wieder getrennt und zwar bleibt der Gast jetzt am Standort und der Wirt wird verstellt.

Einen mittelstarken Ableger aufzusetzen hat sich nicht bewährt. Der Gast muss richtig um Verstärkung betteln. Dann ziehen Ammenbienen in Scharen von unten nach oben. Die Königin legt los und ein negativer Brutindex wird vermieden. ( d.h. die Anzahl der Brutzellen übersteigt die Anzahl der Bienen). Solche Völker wären bei einem späten Käteeinbruch verloren. (Alles schon dagewesen).

Bliebe hingegen der Wirt am Standort wird er wahrscheinlich zeitig schwärmen. Wird hingegen wie oben beschrieben verstellt, ist das eine Schwarmbremse und ausserdem können beide gleichzeitig sofort (Wetter vorausgesetzt) mit einer Mittelwandzarge erweitert werden.

L.G. Heinz
 
Moin,
habe das Aufsetzen auf dem Nachbarvolk vorgestern vor Kälteeinbruch durchgeführt. Das kleine Volk (KS mit gekaufter Kö. von 2007) erschien mir zu schwach um mit Sicherheit die kalten Tage zu überstehen. Ich habe ein Absperrgitter verwendet um die Königin zu erhalten. Papier habe ich allerdings nicht verwendet. Wäre dies notwendig gewesen?
Zusätzlich schob ich bei allen Völkern die Bodeneinlage rein um etwas wärmeregulierend behilflich zu sein. Macht ihr das grundsätzlich auch so?
Gruß Peter
 
the czar schrieb:
Ich habe ein Absperrgitter verwendet um die Königin zu erhalten. Papier habe ich allerdings nicht verwendet. Wäre dies notwendig gewesen?

Absperrgitter ist sehr gut Peter, zusätzlich gebe ich immer eine etwas angefeuchte Lage Küchenrolle auf das Gitter. Eine Zeitung möchte ich den Bienen eher nicht zumuten. An sich begleitet mich ständig eine Rolle in meiner Trödelbox, habe ich mir eben angewöhnt und die Bienen haben nicht unverzüglich und sofort Kontakt zueinander.

Übrigens Peter, die Zeit vor dem momentanen Kälteeinbruch war sehr gut gewählt. Nun kannst für einige Tage die Hände auf´s Schoss legen.

@ >Bienenwerkstatt

Frage Heinz: würdest Du Dich trauen diese beiden nun zusammengelegten Völker in die Marillentracht mitzunehem? Ich frage deshalb, weil ich einige Völker zur Bestäubung in die Wachau bringen soll und nicht ganz schlüssig bin welche! Nicht ganz schlüssig deshalb, weil ich doch die Vierer Völker -also die guten- nicht unbedingt einer doch gewissen Gefahr bezüglich spritzen aussetzen möchte. Der Marillengärtner spritzt natürlich nicht wenn Bienen fliegen, aber ob sich die anderen daran halten?

LG Josef
 
Hallo,

meine Meinung zu den schwachen Völkern.
1. Sich selber überlassen, nicht eingreifen vielleicht schaffen sie es und haben dann im Juni Ihren Höhepunkt.
2. Wenn das Ende unvermeidbar ist, bei Flugwetter 20 Meter abseits vom Bienenstand abkehren und Waben einschmelzen.

Dies klingt zwar ziemlich brutal, aber das ist meine Form von Zuchtauslese. Ich will schon wissen von welcher Königin ich nachziehen soll, wenn jetzt aber ein starkes Volk ein schwächeres ergänzt, kann ich dieses Volk nicht mehr in die Bewertung nehmen, sowohl schwaches als auch starkes Volk.

Gruß
Astacus
 
Schwache Völker lasse ich laufen
und verwerte sie für Ableger

Euer Milb
 
Astacus schrieb:
... meine Meinung zu den schwachen Völkern.
1. Sich selber überlassen, nicht eingreifen vielleicht schaffen sie es und haben dann im Juni Ihren Höhepunkt.

Hier kommt es wohl auf die Prioritäten des einzelnen Betriebes an.

Als nur Standimker und mit einem Betrieb der nicht unbedingt viel Honig benötigt, ist es mir der Zustand der Völker mitunter egal. Auch Imker die nicht unbedingt Rapshonig benötigen, können Schwächlinge durchaus aufpäppeln.

Aber jene Imker die sehr streng auf den Ertrag achten müssen, können Nachzügler ganz einfach nicht nicht brauchen. Hier ist eben zusammenlegen die sinnvollere Alternative.

Auch ich praktiziere dies und schaue dann rechtzeitig darauf, dass ich wieder zu guten Ablegern komme.

Josef
 
zusammengelegte Völker

Hallo Josef, ja ich sehe da kein Problem. (vom Spritzen natürlich abgesehen). Die Beiden vertragen sich meist ausgezeichnet wenn wie gesagt der Stärkeunterschied ausgeprägt genug ist. Ergänzung, nur der Vollständigkeit halber - Obenflugloch öffnen!
l.G.Heinz
 
Re: zusammengelegte Völker

>Bienenwerkstatt schrieb:
... ja ich sehe da kein Problem.

Dankeschön für die rasche und positive Antwort Heinz. Ich war mir da nicht ganz so sicher, denn die guten Völker möchte ich doch nicht -gewissermaßen- opfern und mit einräumigen schaut die Sache doch auch nicht sehr gut aus.

Diese Wachauer Marillenbauern brauchen ganz einfach Bienen, also müssen wir Imker gegen eine gewisse Gefälligkeit einspringen, nicht wahr! B2

LG Josef
 
Darf ich fragen, weshalb Obenflugloch üffnen? Ist an meinen Beuten gar nicht vorhanden.
Gruß Peter
 
Hallo Astacus,
Astacus schrieb:
Hallo,
meine Meinung zu den schwachen Völkern.
1. Sich selber überlassen, nicht eingreifen vielleicht schaffen sie es und haben dann im Juni Ihren Höhepunkt.
2. Wenn das Ende unvermeidbar ist, bei Flugwetter 20 Meter abseits vom Bienenstand abkehren und Waben einschmelzen.
Das würde ich aber nur empfehlen, wenn es sich um gesunde Völker handelt, denn wir wollen ja nicht die Nosema oder Varroen auf die restlichen Völker verteilen - oder?
Im Zweifelsfall würde ich zum Abschwefeln raten!

Mfg,
Johannes
 
Hallo Johannes,

wenn ich eine "verschissene Beute" hätte, würde ich auch zum Abschwefeln raten.
Im Grunde aber hast du völlig Recht, wenn man jetzt so einen auffallenden Schwächling im Frühjahr hat, ist irgendwas faul bzw falsch gelaufen, und Abschwefel ist dann die sicherste Variante.

Gruß
Astacus
 
Astacus schrieb:
wenn ich eine "verschissene Beute" hätte, würde ich auch zum Abschwefeln raten.
Im Grunde aber hast du völlig Recht, wenn man jetzt so einen auffallenden Schwächling im Frühjahr hat, ist irgendwas faul bzw falsch gelaufen, und Abschwefel ist dann die sicherste Variante.

Ich möchte bitte niemanden widerreden oder sogar noch besser wissen, denn jeder hat so seine Erfahrungen und ein Forum soll ja schließlich zur Kommunikation dienen. Aber einen Einwand möchte ich dennoch hier anbringen.

Seit ES & AS Zeiten gibt es nahezu keine Nosema und auch keine Amöbenkrankheiten. Detto Tracheenmilben, Kalkbrut und auch die Bienenlaus habe schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Manche Ortsgruppen untersuchen diese einstigen Krankheiten auch überhaupt nicht mehr, sondern deren Gesundheitswarte gehen immer öfters zur bedeutend aussagekräftigeren Standkontrollen über.

Meiner Meinung nach resultieren Schwächlinge eher infolge der Milben oder wie im meinem Fall einer massiven Schwalbeninvasion im Spätherbst. Hier nachzulesen: http://www.iphpbb.com/board/viewtopic.p ... eninvasion

Ist möglicherweise nicht glaubwürdig, aber persönlich habe ich noch niemals eine Schwefelschnitte bei lebenden Bienen benötigt. Ist offenbar psychisch bedingt, denn ich musste mitansehen, wie meinem Paten seine letzten drei vollkommen gesunden Völker abgeschwefelt wurden und dies auch nur weil in diesem Grätzel -angeblich- Faulbrut bemerkt wurde. Noch heute blutet mir das Herz bei diesem Anblick.

Josef
 
Hallo Josef,

drohne schrieb:
Seit ES & AS Zeiten...
Du behandelst deine Bienen mit Essigsäure?
Ich weiß, daß ES Nosemasporen abtötet - von einer Anwendung bei lebenden Bienen habe ich aber noch nichts gehört. Kannst du das bitte näher erläutern?

drohne schrieb:
... gibt es nahezu keine Nosema und auch keine Amöbenkrankheiten. Detto Tracheenmilben, Kalkbrut und auch die Bienenlaus habe schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.
Ja, Tracheenmilbe, Bienenlaus und Amöbenkrankheit wurde durch die AS der Gar aus gemacht. Was die Nosema angeht, so bin ich nicht ganz deiner Meinung.
Nicht vergessen werden sollte allerdings, daß es nicht nur die erwähnten klassischen Bienenkrankheiten gibt. Vor allem in durch die Varroa angeschlagenen Völkern können sich Viren ausbreiten. Ein großer Teil des immer wieder gehörten Bienensterbens dürfte auf das Konto von Viren gehen.

drohne schrieb:
...ich musste mitansehen, wie meinem Paten seine letzten drei vollkommen gesunden Völker abgeschwefelt wurden und dies auch nur weil in diesem Grätzel -angeblich- Faulbrut bemerkt wurde.
Gott sei dank passiert heute die Faulbrutsanierung anders (zumindest bei uns).

Mfg,
Johannes
 
Zitat jomasch67

Du behandelst deine Bienen mit Essigsäure?

Nein, natürlich nicht Johannes, aber die wenigen Waben die ich mir über den Winter aufhebe, werden mit ES vor den Wachsmotten geschützt.




Zitat jomasch67

Nicht vergessen werden sollte allerdings, daß es nicht nur die erwähnten klassischen Bienenkrankheiten gibt. Vor allem in durch die Varroa angeschlagenen Völkern können sich Viren ausbreiten.

Ja schon, aber dann ist der Stock entweder leer oder sämtliche Bienen liegen verendet am Bodenbrett. Bei mir 2004 passiert und auch da bekamen die gerade noch überlebenden Völker nicht den Streifen, sondern wurden zusammengelegt.

Ich meinte ursprünglich, dass die klassische Nosematose nahezu nicht mehr zu finden ist.

Zitat jomasch67

Gott sei dank passiert heute die Faulbrutsanierung anders (zumindest bei uns).

Auch bei mir als Gesundheitswart, da wird kein Volk mehr abgeschwefelt, sondern mittels Kunstschwarmverfahren einer Sanierung unterzogen.
 
Hallo!

Nach langer Schreibabstinenz melde ich mich wieder zurück! Heute war sonniges und mit ca. 12 Grad recht warmes Wetter. Die Bienen brachten sammelten wieder fleißig Haselnusspollen. Nur 2 Völkchen wieder mal nicht. Ich hatte lange gezögert, denn die Schwäche dieser beiden Völker war mir bereits am 23.2. aufgefallen, als ich an einem ebenfalls sonnigen Tag bei 12 Grad alle Völker kontrollierte und 2 tote Völker (starke!) vorfand. Heute setzte ich die beiden Völkchen über Absperrgitter auf starke Völker auf. Wie sollen erstarken, wenn sie bei diesem schönen Wetter keinen Pollen sammeln?

DArwin und dessen Theorie vom Überleben deer Stärkeren ließ ich außen vor, da ich glaube, dass nicht die Königinnen schwächelten, sondern dass ich nicht alles richtig gemacht hatte. Die beiden schwachen Völker waren die letzten Ableger, die ich 2008 gebildet hatte.

Die beiden toten Völker (von 10 Völkern, die ich besitze) sind offensichtlich verhungert. Das eine wurde bereits im Herbst ausgeräubert. Ich hatte wohl zu wenig nachgefüttert und/oder das Volk wurde unbemerkt weiter geplündert. Ich weiß nicht. Das andere Volk saß auf 2 Zargen. In der unteren war das verhungerte (?) Volk in der Wintertraube; in der oberen war das Futter. Hat die sehr lange Kälteperiode dazu geführt, dass die Wintertraube es nicht in die obere Zarge schaffte? Keine Ahnung.
 
Ist heute schon zu später Stunde und nach einem langen Arbeitstag tun alle Knochen weh, aber morgen werden wir uns mit den Fragen auseinandersetzen Hans-Joachim, OK.

Josef
 
Hans-Joachim Heyer schrieb:
Hallo!
DArwin und dessen Theorie vom Überleben deer Stärkeren ließ ich außen vor, da ich glaube, dass nicht die Königinnen schwächelten, sondern dass ich nicht alles richtig gemacht hatte. Die beiden schwachen Völker waren die letzten Ableger, die ich 2008 gebildet hatte.
Excuse me, Hajo, "survival of the fittest" not "survival of the strongest", first means "Überleben vom passendsten"! (eine der häufigsten Fehlübersetzungen und Fehlinterpretationen). Irgendwas hat also nicht gepasst bei deinen Biens. Möglicherweise nicht passend zu deinem Kleinklima.
 
Hallo,

eigentlich kommt es bei den Bienen sehr oft vor das sich das stärkste Volk über den Winter verabschiedet. Ist mir heuer auch wieder so gegangen. Eines meiner Völker ist im Herbst echt übergegangen von Bienen. Wir haben es sogar noch bei den KS geschröpft, trotzdem war da unglaublich viel Bienenmaterial drinnen. Heuter im Frühjar war es ex. Da kommen einen echt die Tränen.
 
Zurück
Oben